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Hundeverhalten erkennen und verstehen
Was sind Calming Signals?

Wildhunde haben es schon immer getan und unsere "Haus"-Hunde haben es bis in die heutige Zeit übernommen: das Markieren ihres Territoriums.
Wenn es auch beim Wildhund ums Überleben geht und ob seine markierten Grenzen von Feinden oder Nebenbuhler eingehalten werden, will ein Hund auch ganz gern eine bedeutende Rolle in seinem Umfeld spielen. Um seine Anwesenheit zu demonstrieren, verteilt er an exponierten Stellen seine Duftmarken.
Besonders nicht kastrierte Rüden heben sehr oft das Bein, um ein wenig Urin abzugeben. Aber nur nicht zu viel, denn ein wenig bleibt immer in Reserve - wer weiß, vielleicht findet sich ja noch eine unbefleckte Stelle. Auf Spaziergängen wird so viel Zeit wie möglich mit Schnüffeln verbracht. Und zwar sowohl gegenseitig als auch an jeder Stelle, die zuvor von einem anderen Hund markiert wurde.

Womit wird markiert?

Markierungen werden hauptsächlich in Form von Kot und Urin abgegeben. Diese platzieren Hunde möglichst auffällig und präsent für andere Hunde: Kot wird ein klein wenig erhöht abgesetzt, Urin vom Rüden in Kopfhöhe verteilt. Wie eine Art Luftpost dringen ständig Nachrichten in der Hundenase ein: "Läufiges Weibchen - Nachbarhund - hab ich schon mal drei Bäume vorher gerochen - den pack ich mir usw. ...".

Lesen Hunde Zeitung?

Nicht alle Hunde haben auf Spaziergängen die Absicht, ihr Revier zu kennzeichnen. Einige wollen einfach nur riechen, wer so da war und vielleicht selber eine Botschaft da lassen. Für sie ist das ungefähr wie Zeitung lesen. Selbstbewusste Hunde verteilen ihre Duftmarke nach dem Markieren häufig durch ausgeprägtes Scharren. Damit ist im Umkreis von einigen Metern das Territorium gekennzeichnet und der Nachfolger versteht diese Sprache deutlich.

Im Haus markieren?

Das ist im Wald nicht weiter schlimm, im Garten nicht gerade gern gesehen, im Haus dagegen eine ärgerliche Katastrophe. Im Alter von sechs bis zwölf Monaten wird ein männlicher Welpe lernen, das Bein zu heben um zu urinieren und zu markieren. Was liegt näher, als der Versuch, durch das Markieren von Vorhängen, Tischbeinen und Fernsehsesseln das schöne Wohnzimmer als sein Territorium zu kennzeichnen. Hier muss dem Welpen oder Junghund eindeutig klar gemacht werden, dass das nicht erwünscht ist! Wichtig zu verstehen ist, dass der Hund das NICHT macht um uns zu ärgern, es ist in natürliches Verhalten..nur vom Menschen nicht erwünscht!

Die Beißhemmung beim Hund angeboren oder erlernt?

Ich bin der Meinung, dass eine Beißhemmung erlernt werden muss!!! Welpen untereinander gehen häufig recht ruppig miteinander um. Wenn es einer aber übertreibt und dem anderen weh tut, zeigt dieser ihm deutlich, dass er SO nicht spielen mag! Das Spiel wird unterbrochen!
Beim Spiel mit dem Menschen sollte es genauso sein, beißt der Hund zu stark ( die kleinen Zähnchen sind noch sehr spitz), hilft meist ein entsetzter, spitzer Schrei! Dannach muss das Spiel ebenfalls sofort unterbrochen werden. Nach und nach wird der Welpe lernen, dass er seine Zähne unter Kontrolle haben muss und dass es dem Spielpartner keinen Spaß macht wenn er zu grob wird.
Verhaltensforscher Konrad Lorenz stellte die Theorie der angeborenen Beißhemmung auf. Nach Lorenz wird eine Blockierung der für Angriffs- bzw. Tötungsbiss verantwortlichen Hormonausschüttungen durch einen bestimmten Reiz ausgelöst. In diesem Fall handelt es sich um die Unterwerfung oder den Schmerzensschrei des Gegners. Er verglich die Beißhemmung mit einer sogenannten Erbkoordination. Dabei löst ein Reiz ein Verhalten aus, welches ab diesem Zeitpunkt zwanghaft abläuft. Diese Annahme wurde widerlegt.

Gesprochene Hörzeichen

Monoton gesprochene Hörzeichen sind für den Hund nicht zu unterscheiden. Wenn man aus lauter Unsicherheit zwischen die gelernten Hörzeichen einen menschlichen Satz einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit.
Der Hund weiss nicht mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich ein paar Jahre an Sie gewöhnt hat, dann weiss er, was Sie meinen aber für einen Anfängerhund ist es äußerst schwierig und man sollte es dem Hund nicht unnötig schwer machen.
Mit zunehmender Gewöhnung an Ihre sprachlichen und körperlichen Eigenarten findet der Hund heraus, was sie bedeuten. Er lernt, mit zunehmendem Alter feinere Unterschiede herauszuhören und unterschiedlich darauf zu reagieren.
Die ganze Ausbildung ist natürlich dann sehr schwierig, wenn andere Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das sein, was für ihn am angenehmsten ist.

Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Hass. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt.
Auch wenn er nicht auf bedrohenden Befehl folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tun, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal.

Warum ist Lob so wichtig?

Wann und wie loben?
Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter (und nicht nur angedeuteter) Leistung - und kein Selbstlob!
Loben (kraulen, streicheln) Sie Ihren Hund dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund.
Das heisst nicht, dass Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgend wann einmal doch herkommt.
Ignorieren Sie es und korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Ihnen hilft.
Sie müssen ihn überzeugen, dass Sie interessanter sind als der Hund da drüben und alles andere was noch um ihm herum passiert!
Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit knuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob.
Richtig: Wenn er - nach Ihren verständlichen Zeichen - etwas korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht hat, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, mit einem lobenden Wort, in einem besonderen Tonfall gesprochen.
Ihr Hund wird spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keine Bestrafung zur falschen Zeit erwarten muss.
Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund.
Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass man ihn überhaupt kennt. Verstehen heisst vergleichen.
Der Urahn Wolf braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte Regeln weil er ein sehr soziales Rudeltier ist - ja sein muss - um so gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden. Diese Ordnung ist biologisch. Wir haben damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund beherrscht - wenn er es von Klein auf lernen durfte - die Regeln der Hundesprache. Im Vergleich zum Wildrudel sind sie freilich, wegen dem Umgang mit Menschen, geändert. Sie haben sich dem Menschen angepasst, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war. Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das tierische Verständnis wesentlich leichter, und auch das Miteinander logischer. Das heisst: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können.

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